Die Kardiologie ist völlig überlaufen!

Änderung der Kardiologenausbildung wird diskutiert

 

Manche deutschen Kardiologenverbände sind bereits in Sorge wegen der stetig wachsenden Zahl an kardiologischer Weiterbildungsassistenten. Erste Überlegungen dazu, die Kardiologenausbildung in eine invasive und eine nicht-invasive aufzusplitten, werden angestellt. Erstens weil man sieht, dass die Herzkatheterkapazitäten – trotz ihres Umfangs in Deutschland - nicht ausreichen, allen aktuell in der Weiterbildung zum Kardiologen Begriffenen eine adäquate invasive Weiterbildung zu garantieren, zweitens weil man sieht, dass – jenseits der Weiterbildung – auf keinen Fall jeder der zahlreichen Kardiologen, mit denen zu rechnen ist,   in Deutschland in seinem Berufsleben invasiv wird tätig sein können. 

 

Von 10 Bewerbern, die angeben, sich für die Innere Medizin zu interessieren, streben mindestens 7- 8 eine Weiterbildung in der Kardiologie an. Hinzu kommen die zahlreichen Interessenten für chirurgische Fächer, die, wenn sie in der Chirurgie keine Position finden, in die Innere Medizin abwandern und dort fast immer in die Kardiologie drängen, die mit den Interventionen ein quasi-chirurgisches Arbeitsfeld eröffnet.

 

Die Zeiten sind absehbar, zu denen die Bedingungen für Bewerber in der Kardiologie die gleichen sein werden wie in der Chirurgie. Das heißt: Sie haben dann als Kardiologe keine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten mehr - auch nicht als Facharzt!

 

Natürlich kann nicht jeder Oberarzt werden - oder sogar mehr! Aber selbst die Optionen, zum Facharzttitel weitere Qualifikationen hinzuzuerwerben, werden stark eingeschränkt sein - so wie es heute schon bei den Urologen und Chirurgen der Fall ist.

 

So wie ein Facharzt Urologie heute schon genug Probleme hat, in eine Abteilung zu wechseln, in der Weiterbildungsermächtigungen für die spezielle urologische Chirurgie oder Andrologie vorliegen, werden Sie als Kardiologe dann Probleme haben, in Abteilungen zu wechseln, in denen Sie einen weiteren Schwerpunkt oder eine Zusatzbezeichnung wie zum Beispiel Intensivmedizin erwerben können.

 

Stattdessen wird es zahlreichen Fachärzte für Kardiologie geben, die an attraktiven Standorten in großen Städten gebeten werden, sich beruflich umzuorientieren, weil irgendwann zuviele Fachärzte in den Teams sein werden. Jede Abteilung schätzt es, wenn unter ihren Assistenzärzten eine Reihe von Fachärzte sind. Aber wenn in einem Team von 20 Leuten einmal mehr als 5 Fachärzte sind, wird das den Verwaltungen meist einfach zu teuer. Chefärzte haben dabei nur bedingte Möglichkeiten, ihr Personal vor Entlassung zu schützen. Kostenargumenten der Verwaltungen müssen sie sich meist beugen.

 

Erstaunlich ist, dass so wenige Personen, die wegen der fast chirurgischen Arbeitsweise in diesem Fach in die Kardiologie abwandern, die Angiologie vor Augen haben. In Deutschland ein Zweig der Inneren Medizin, dessen Vertreter gemeinsam mit Radiologen und Gefäßchirurgen die gleichen bildgestützten Interventionen, die Kardiologen an den Herzkranzgefäßen vornehmen, an peripheren Gefaßen, besonders der Beine, aber auch - beispielweise - an den Schlüsselbeingefäßen durchführen. Ganz im Gegensatz zur Kardiologie sind die Aussichten in der Angiologie - zur Zeit noch - sehr gut!